Zwei Jahre nach Brandanschlag Mehringer Feuerwehr enthüllt ihr neues Fahrzeug

Zwei Jahre nach Brandanschlag Mehringer Feuerwehr enthüllt ihr neues Fahrzeug

Mehringen - Feuerwehr Mehringen

Die Mehringer Feuerwehrleute können sich noch gut an jenen Novembertag im Jahr 2015 erinnern: Mitten in der Nacht hatten Diebe ihr nagelneues Löschfahrzeug - das erste neue, das die Wehr je hatte - gestohlen und in einem Betonsilo zwischen Höhnstedt und Zappendorf im Saalekreis abgefackelt.

„Das Auto war eine richtige Brandruine. Das hat viele Kameraden ganz schön getroffen“, hatte Wehrleiter Axel Trimpert damals gesagt, nachdem er sich das Drama vor Ort angeschaut hatte. Doch nun hat die Wehr endlich ein neues Fahrzeug bekommen: ein Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF 10) mit Tragkraftspritze und 2.000 Liter Löschwasser an Bord.

Enthüllung des neuen Feuerwehrfahrzeugs wird zum Volksfest

Kein Wunder, dass die Mehringer am Wochenende aus der Übergabe des ebenfalls fabrikneuen Autos ein richtiges kleines Volksfest machten - mit Kameraden aus den benachbarten Wehren, leckeren Würstchen und einer richtigen Enthüllungszeremonie. Denn das riesige Feuerwehrfahrzeug war christomäßig verhüllt, unter einer samtweißen Plane.

„Eigentlich wollten wir hier rausgefahren kommen, mit Martinshorn und Nebel und so, aber wir wussten nicht, wie das Wetter wird“, hatte sich Jugendwehrchef Martin Bork einen dramatischen Auftritt überlegt. Doch die Enthüllung hatte es so im Umkreis auch noch nicht gegeben. „Nein, selbst genäht haben die Feuerwehrfrauen die Plane nicht“, winkt Bork lachend ab. „Die haben wir von der Firma mitbekommen.“

Dass es soweit überhaupt kommen konnte, hätten die Kameraden den Stadträten und dem Oberbürgermeister von Aschersleben zu verdanken, aber auch der Bevölkerung, weiß Ordnungsamtschef Christian Grossy. Denn die Leute hätten extra Geld gespendet, damit ihre Feuerwehrmänner wieder ein fabrikneues Auto bekommen könnten. „3.400 Euro sind so zusammengekommen“, erklärt Grossy. Dazu das Geld von der Versicherung. Den Rest für das rund 300.000 Euro teure Fahrzeug gab die Stadt.

„Ein solcher Diebstahl war wohl einmalig in Sachsen-Anhalt“

Enttäuscht zeigte sich Mehringens Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind lediglich vom Land. „Ich hatte das Land angeschrieben, weil es ja ein Sonderfall war, ob sie uns nicht auch besonders unterstützen könnten“, erzählt er. „Als Anwort kam aber: Sie hätten uns ja schon beim ersten Fahrzeug unterstützt, da könnten sie es bei dem zweiten nicht mehr.“ Er sei deshalb froh, dass die Stadt geholfen habe, obwohl sie selbst auch nicht viel Geld besitze.

„Das war keine einfache Ersatzbeschaffung“, bestätigt Christian Grossy und weiß auch: „Ein solcher Diebstahl war wohl einmalig in Sachsen-Anhalt.“ Und die Diebe seien leider bis zum heutigen Tag noch nicht gefasst. „Dass es hier so viel kriminelle Energie gibt, so etwas zu stehlen und damit Leib und Seele in Gefahr zu bringen, ist bedauerlich“, stimmte auch Ria Uhlig, die stellvertretende Bürgermeisterin von Aschersleben, zu.

Deshalb habe die Stadt nun auch Hof und Depot in Mehringen besonders gesichert. „Wir haben zum Beispiel eine Alarmanlage eingebaut“, erklärt Christian Grossy und bedauert: „Offensichtlich ist das heutzutage notwendig.“

Feuerwehr bedankt sich bei Stadt und Spendern

Hier steht das neue Fahrzeug nun sicher, hoffen die 30 Mitglieder der Mehringer Feuerwehr und nehmen gern die guten Wünsche der anderen entgegen. „Dass Ihr immer gesund nach Hause kommt“, wünscht Stadtwehrleiter Christoph Voigt, „zum Schutze und zum Wohle eurer Bürger.“

Der Kreisfeuerwehrverband hat den Sekt mitgebracht, damit das HLF 10 auch ordentlich getauft werden kann. Und Ingo Pache von der Ulmer Firma Magirus, die das Fahrzeug nach den Wünschen und Vorstellungen der Mehringer zusammengebaut hat, überreicht einen großen roten Schlüssel. „Der ist aber nur symbolisch, bitte nicht ins Armaturenbrett stecken“, lacht der junge Mann.
Feuerwehr Mehringen

„Uns fällt ein großer Stein vom Herzen“, nickt Feuerwehrmann Marcus Trimpert, der für den Wehrleiter spricht. Denn der ist krank und hat strenges Sprechverbot. Bei der Übergabe wenigstens (schweigend) dabei zu sein, das lässt sich Axel Trimpert trotzdem nicht nehmen.

Den Dank an Stadt und Spender spricht aber Marcus Trimpert in Vertretung aus. Auch und vor allem an die Winninger Feuerwehr. Denn die Kameraden dort hatten vor zwei Jahren nicht lange überlegt und spontan geholfen. Da sie gerade erst ein neues Feuerwehrfahrzeug erhalten hatten, gaben sie ihr altes, das eigentlich ausgemustert werden sollte, als Leihgabe an die Mehringer. Damit die wieder einsatzfähig sind und im Brandfall nicht hilflos zuschauen müssen, wie Häuser abbrennen oder Menschenleben in Gefahr sind. Die Leihgabe kommt nun zurück nach Winningen. Als Traditionsfahrzeug soll sie dort noch gute Dienste leisten.

(mz)

 

 

 

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