Serie: Silbernes Handwerk Das Haus aus Aluminium

Serie: Silbernes Handwerk Das Haus aus Aluminium


  Müller Dach und Fassadentechnik

Andreas Müller (rechts) und sein Vater Michael vor seinem ungewöhnlichen Haus.
Foto: Kristina Hammermann

Mehringen -

Viele Unternehmen aus der Region feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Die MZ stellt in einer Serie Betriebe vor. Heute: Müller Dach- und Fassadentechnik GmbH.



„Aufträge vor Ort? Das ist die absolute Seltenheit“, stellt Andreas Müller klar. Durch ein Rostocker Planungsbüro, mit dem die Müller Dach- und Fassadentechnik GmbH seit längerem zusammenarbeitet, arbeitet der 42-Jährige derzeit an der Fassade der Salus-Klinik in Bernburg. „Und bei einem Neubau von Thyssen-Krupp in Ilsenburg waren wir gefordert.“

Andreas Müller hat den Metall- Innungsbetrieb vor fünf Jahren vom Senior übernommen. Michael Müller vollendet demnächst das 70. Lebensjahr. „Wir mussten uns in der LPG Florian Geyer nach der Wende umorientieren. Da sagten wir uns: Schuster bleib bei deinen Leisten und vertrieben Land- und Gartentechnik.“ Eine Truppe aus der Ex-LPG befasste sich neben dem Reparaturservice mit Metallbau. Für eine Blankenburger Firma montierten sie Industrie-Rolltore, für die Midewa wurden Trinkwasserleitungen verlegt.

Damals sagte Müller der MZ: „Die Zeit wird zeigen, worauf wir uns spezialisieren.“ Die Reinigungstechnik für Kommunen, die ihren Ort in Schuss bringen wollten, wurde es nicht.

„Wir arbeiteten verstärkt als Subunternehmer im Metallbau, gerade im industriellen Bereich, wenn es um den Hallenbau ging“, erinnert sich Michael Müller. Doch die Firma erlebte, dass sich viele Bewerber um die Aufträge stritten, bei den Preisen wollte jeder günstiger sein. „Hatte man dann einen Auftrag, ließ das Geld der Kunden lange auf sich warten.“
Großauftrag in Schokoladenfabrik

Zunehmend montierte die Firma, die sich eine riesige LPG-Werkstatthalle ausgebaut hatte, Fassaden und Dächer. Michael Müller lehnt sich zurück. „Unser erster Großauftrag wurde die Schokoladenfabrik in Klein Schierstedt.“ In den 1990er Jahren agierte die Firma noch regional, heute fahren die langjährigen Mitarbeiter deutschlandweit von Montag früh bis Donnerstagabend auf Montage.

Andreas Müller erlebt, wie seine Firma gefragt ist. „Wir sind ein spezialisiertes Unternehmen für Edelfassaden aus Aluminium und Alucobond, Eternit und Cembrit sowie Keramik.“ Aus einem Kunststoff-Holzfaser-Gemisch entsteht die Außenhaut von Industriehallen. Waren es zu Anfang 800 Quadratmeter Flächen, können es heute durchaus mal 5000 sein.

Müllers Firma hat sich im Industrie- und Gewerbebau etabliert. Büros und Fertigungshalle stehen im Fokus. 3500 Quadratmeter Fassade aus Alu-Wellen sind es am Call-Center von Bon Prix in Hamburg, 1700 am Berufscollege in Köln. Die Kunden schätzen die Zuverlässigkeit der Firma aus dem Ascherslebener Ortsteil Mehringen.

„Stets vor Ort ansprechbar sein und sauber arbeiten, so dass es kaum Reklamationen gibt. Das zahlt sich aus.“ So agiert die Fassadentechnik-Firma direkt mit einem Planungsbüro, ohne dass noch andere Firmen dazwischen sind.

Andreas Müllers Firma steht immer wieder vor einer Betonhülle, die über Alu-Unterkonstruktionen, Tragschienen und Dämmung so vorbereitet wird, dass die Fassadenelemente aufgenietet oder -geschraubt werden können. „Der Fachbegriff heißt vorgehängte, hinterlüftete Fassadenelemente. Das ist in Hamburg durchaus üblich, hier in Aschersleben setzen Unternehmen eher auf Dämmputz.“

Der Chef weiß, wovon er redet. Erst absolvierte er bei einem Partner des väterlichen Unternehmens eine Ausbildung als Landmaschinenmechaniker, erweiterte das um den Konstruktionsmechaniker und suchte sich erst einmal eigene Wege. Später kam eine kaufmännische Ausbildung dazu. Und er baute zwischen Eltern und Großeltern in Mehringen sein eigenes Haus.

Das gilt seit 2004 als das ungewöhnlichste Wohngebäude des Dorfes. Selbst das Fernsehen drehte darüber eine Dokumentation, Firmen forschten an ihm. Besteht es doch aus dem, was Müllers im Alltag auch verbauen: Aluminiumwellen.

Auch wenn viele Menschen den Silber-Bau für gewöhnungsbedürftig halten, es beweist, dass das, was im Gewerbebau genutzt wird, durchaus auch für den Wohnungsbau geeignet ist. Und beheizt wird das Haus über eine Wärmepumpe. „Im Winter können wir auch unseren Kamin nutzen“, sagt Andreas Müller nicht ohne Stolz. Auch wenn er als Industriefassadenbauer weiter mehr gefragt sein wird als in der Rolle des Vordenkers von Wohnhäusern. (mz)

MZ von Uwe Kraus 31.08.16

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