Projekt „Gewaltprävention“ in Mehringen - Grundschüler Marvin übt böse gucken

Projekt „Gewaltprävention“ in Mehringen - Grundschüler Marvin übt böse gucken

Stopp! Keinen Schritt weiter! Distanzübungen mit Michel Olschewski und den Mädchen und Jungen der Mehringer Grundschule.
Mehringer Grundschule
Foto:frank Gehrmann

Mehringen -
„Du musst noch ernster schauen. Böse gucken. Den Gegner auch damit stoppen.“ Michel Olschewski von der Sport- und Karateschule macht es dem Jungen der dritten Klasse der Mehringer Grundschule vor. Er setzt ein grimmiges Gesicht auf.



Marvin dagegen muss noch üben, seinem Gesicht einen bösen Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig soll der Junge der dritten Klasse auch noch ein Bein nach vorne stellen, die Hand dem Gegner entgegenstrecken und gleichzeitig laut „Stopp“ rufen. Doch Marvin muss immer wieder grinsen. Bis er es endlich schafft und seinem Gegenüber grimmig in die Augen blickt.

Ungewöhnliche Situation für die Kinder

Seinen Klassenkameraden der dritten und vierten Klassen geht es ähnlich. Für die Schüler ist es eine ungewöhnliche Situation. Sie sollen laut rufen, was sonst in der Schule nicht gang und gäbe ist. Sie sollen ihr Gegenüber einschüchtern!

Distanzübung nennt sich diese Aktion, die im Rahmen des Projektes „Starke Kinder - gemeinsam, gewaltfrei, gesund und glücklich“ gestern in der Mehringer Grundschule durchgeführt wurde. Daran beteiligt waren nicht nur die Sport- und Karateschule Staßfurt, sondern auch das Staßfurter Frauenschutzhaus, die Mehringer Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz.

Ein Zeichen setzen

„Es ist ein Anti-Gewalt-Projekt, dessen Finanzierung die Sparkassenstiftung übernommen hat“, erklärt Schulleiterin Silvia Wollmann. Sie sei froh, dass sie den Zuschlag dafür bekommen hat. Denn Gewalt habe die vergangenen Tage beherrscht, findet die Schulleiterin mit Blick nach Paris. „Deshalb möchten wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir gegen Gewalt sind. Paris ist so weit weg und doch wieder ganz nah“, sagt sie. Gewalt könne aber auch ganz klein anfangen. Zum Beispiel auf dem Schulhof. „Die Kinder sollen lernen, dass Streitereien mit Worten gelöst werden und nicht mit Gewalt“, so die Schulleiterin.

Die Mehringer Grundschule ist damit eine von 14 Schulen, die das Projekt von der Sparkassenstiftung finanziert bekommen hat. Über 60 Schulen haben sich darum beworben. „Insgesamt sind wir aber schon seit 2013 mit dem Projekt an Schulen unterwegs. Die Schüler nehmen daraus sehr viel mit“, erklärt Kristin Hacker. So baue sich das Projekt aus Prävention, Selbstverteidigung und Selbstbehauptung auf. Auf letzteres Thema werde in der Grundschule intensiver eingegangen. Mit speziellen Spielen sollen das Selbstbewusstsein aufgebaut, die Teamfähigkeit gefördert und auch die Angst vor dem eigenen Handeln genommen werden. „Das macht Spaß heute. Bisher wusste ich nur, dass man weglaufen soll. Nun lernen wir, was wir noch anders machen können“, sagt Johanna aus der dritten Klasse.

Auf Nachwuchssuche

Während die Schüler der dritten und vierten Klassen ihre Distanzübungen absolvieren, dürfen die Jüngeren in das Feuerwehrauto der Mehringer Wehr sowie in den Krankenwagen des DRK schauen. „Wir kommen gern an solchen Tagen in die Grundschule. Unter anderem finden wir so unseren Nachwuchs“, erklärt Feuerwehrfrau Christiane Junge.

Aber zuvor galt es, den Jüngsten zu erklären, wobei die Feuerwehr alles hilft, was alles brennt und wie die Notrufnummer lautet. Astrid Bütow und Ray Giesemann vom DRK führen mit den Kindern Erste-Hilfe-Übungen durch. „Auch die Kleinen können langsam an so etwas herangeführt werden. So wissen sie im Ernstfall, wie sie sich verhalten müssen“, sagt Astrid Bütow, während sie die Stabile Seitenlage vorführt.

Damit die Schüler auch Aggressionen abbauen können, hat die Schule gestern auch noch einen Boxsack und Boxhandschule von der Salzlandsparkasse gesponsert bekommen. „Das ist eine tolle Sache. Den Boxsack hängen wir im Speiseraum auf. Da ist genügend Platz“, freut sich Silvia Wollmann über das Geschenk, während alle Kinder begeistert klatschen. (mz)

MZ Von marion pocklitz 19.11.15

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