Neue Grundschule ohne Turnhalle - Wenn das Grün schon aus dem Parkett sprießt

Neue Grundschule ohne Turnhalle - Wenn das Grün schon aus dem Parkett sprießt

Grundschule MehringenMehringen/Aschersleben -

In der ehemaligen Turnhalle an der Grundschule Mehringen sprießt das Grün, begossen vom Regen aus dem undichten Dach. Das Parkett schlägt Wellen, an manchen Stellen fehlt es ganz. In den Gesichtern der Stadträte des Bildungs- und Kulturausschusses spiegelt sich Entsetzen bei diesem Anblick.



Die Ausschussmitglieder hatten ihre Sitzung aus dem Rathaus nach Mehringen verlegt, um sich die ansonsten top-sanierte Schule anzuschauen.

Auch die Turnhalle wollten die Räte mit eigenen Augen sehen. Haben sie den Vorschlag der Verwaltung doch abgelehnt, die fürs Gymnasium Stephaneum geplanten Fördermittel kurzerhand umzuleiten und damit die Turnhalle in Mehringen zu sanieren.
Entscheidung für Schulsanierung wurde bewusst getroffen

Für die Sanierung des Grundschulstandortes hat sich der Stadtrat vor Jahren ganz bewusst entschieden und viel Geld dafür aufgewendet. Zu recht, wie sich jetzt zeigt, denn die kleine Dorfschule wird von Kindern aus dem gesamten Wippertal und zum Teil sogar aus der Kernstadt genutzt.

Die Zahl von 60 Jungen und Mädchen bei Sanierungsbeginn ist inzwischen auf 85 angewachsen, kann Schulleiterin Silvia Wollmann stolz verkünden. Ab kommendem Schuljahr werden gar 93 Kinder die Schule besuchen, die außerdem von den Kindern der Kita genutzt wird.

Die Stadträte waren begeistert von dem Umstand, dass die Kinder theoretisch zehn Jahre lang frühkindliche Bildung an einem Haus erfahren können.

Natürlich nutzte die Schulleiterin die günstige Gelegenheit, für ihre Ziele und vor allem für den Sportunterricht in eigener Halle zu werben. Dabei spielte ihr eine kürzlich erfolgte Schulinspektion durch das Landesschulamt in die Hände.

Grundschule Mehringen

Für den Schulsport extra nach Aschersleben fahren

Neben viel Lob für einen modernen, effizienten Unterricht in einem lernfördernden Klima habe es nur zwei Kritikpunkte gegeben: einer bezog sich auf den Umgang mit modernen Medien, ein zweiter auf den Sportunterricht.

„Unser Sportunterricht ist nicht lehrplangerecht“, sagt sie und berichtet davon, dass die Schüler der Klassen 2 bis 4 einmal pro Woche mit dem Bus zu einer Sporthalle in Aschersleben fahren. Gewünscht ist mehrmals in der Woche Sport, dies geht jedoch aus Transportkosten-Gründen nicht. Zudem wird mit An- und Abfahrt, an- und ausziehen aus zwei Stunden schnell eine.

Eine eigene Turnhalle wäre auch insofern effektiv, weil sie von Kita, Schule und Vereinen genutzt werden könnte.
Inkosequenz ist jetzt fehl am Platze

Stadtrat Marius Fischer (SPD) unterstützt das Anliegen von Silvia Wollmann, indem er sagt: „Vor acht Jahren haben wir angefangen, für die Schule zu kämpfen und etwas sehr Positives geschaffen. Es wäre inkonsequent, jetzt das letzte Puzzleteil nicht zu finden.“

Dennoch wolle er nicht, dass nach der Entscheidung des Stadtrates für das Stephaneum der Eindruck entsteht, es sei „jemandem etwas weggenommen worden. Wir haben nur verteidigt, was schon zugesichert war.“

Amtsleiter Steffen Schütze setzt seine Hoffnung auf das gerade verabschiedete Kommunalinvestitionsförderungsgesetz. „Wir werden nun prüfen, ob und wie eine Sanierung der Halle in das Programm passt,“ sagt er, die Unwägbarkeiten seien jedoch noch groß.
Turnhalle steht auf der Liste ganz oben

Auf jeden Fall stünde die Turnhalle Mehringen in der Priorität ziemlich weit oben. Ausschussvorsitzender Klaus Winter (Widab), der als Schulleiter des Stephaneums natürlich auch den Bedarf an seiner Schule sieht, sagt: „Wenn die Stadträte mit dem gleichen Elan für die Halle wie für ein neues Depot kämpfen, bin ich guter Dinge.“

Stadtrat Lothar Gruber hat mit Blick auf den Widerstand der Drohndorfer Feuerwehrleute gegen ein gemeinsames Depot mit Freckleben darauf eine Antwort: „Ich bin ja schon froh, dass Kita und Schule eine Halle wollen und nicht zwei.“ (mz)
– Quelle: http://www.mz-web.de/27762208 ©2017

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