Mehringer Grundschule - Totgesagte leben länger

Mehringer Grundschule - Totgesagte leben länger

Seit 2011 hatte das Gebäude auf eine Sanierung gewartet.
(BILD: frank gehrmann)
Mehringer Grundschule
Die Mehringer Grundschule wird ab Mitte September wieder ihren ganz normalen Alltag aufnehmen. Ein neuer Name soll außerdem her.

Umzugskisten haben die Lehrer der Mehringer Grundschule schon oft ein- und ausgepackt. Mitte September wollen sie es nun - hoffentlich - ein letztes Mal tun, denn dann wird die Grundschule des Ascherslebener Ortsteils nicht mehr den Handwerkern, sondern endlich wieder ganz den Schülern und Lehrern gehören.



2011 mussten zum ersten Mal die Kisten eingepackt und die Schule leergezogen werden, weil Wasser das Gebäude so stark beschädigt hatte, dass ein Unterricht darin nicht mehr möglich war. Die Mädchen und Jungen lernten daraufhin in Aschersleben im Bestehhornpark. Erst im vergangenen Jahr packten sie erneut ihre sieben Sachen und zogen zurück nach Mehringen, zunächst in die Horträume der Einrichtung.

Verzögerung von knapp drei Wochen

Ab kommenden Schuljahr sollte dann der Betrieb in der voll sanierten Grundschule wieder aufgenommen werden. „Das klappt nicht ganz. Den Bauzeitenplan hatte der liebe Gott zwar genehmigt, nicht aber mit dem Wettergott abgestimmt“, erklärt Steffen Schütze, Leiter des Amtes für Bildung und Sport der Stadt Aschersleben. Das heiße, der Estrich konnte zunächst durch die schwülen Temperaturen nicht trocknen, dann regnete es die gesamte Zeit. „Es macht erst Sinn den Linoleum zu verlegen, wenn alles richtig ausgetrocknet ist. Ansonsten wird es Probleme geben“, macht er deutlich.

Mehringer Grundschule


Handwerker legen letzte Hand an.

(BILD: gehrmann)

Doch die Verzögerung von knapp drei Wochen betrifft nicht alle 62 Schüler. Die Mädchen und Jungen der künftigen ersten sowie zweiten Klasse dürfen schon ihre neuen Räume beziehen. „So müssen sich die Kleinen nicht wieder umgewöhnen“, meint Schulleiterin Silvia Wollmann. Nur der Bereich der dritten und vierten Klassen, Computerraum sowie Lehrerzimmer, Sekretariat und Schulleiterzimmer ist noch nicht bezugsfertig. „Damit können wir leben. Jetzt hat es so lange gedauert. Die paar Tage sind überhaupt kein Problem“, sagt Frau Wollmann.

Mehringer Grundschule


Die Sporthalle muss noch warten.

Insgesamt 600 000 Euro sind dann aus Förderung und Stadtmitteln sowie Rücklagen des Dorfes geflossen, wenn die Schüler in die für sie vorgesehenen Räume einziehen. Dann wurde das Gebäude energetisch umgestaltet. Es gab Abbruch- , Maurer - sowie Tiefbauarbeiten, neue Heizung, Elektroanlagen, Sanitäres, Türen, Fenster, Dach, Fassadendämmung sowie Maler- und Bodenbelagsarbeiten, wenn die letzten Arbeiten abgeschlossen, die Grundreinigung und der Umzug erfolgt sind.

Auch die Außenlagen sollen wieder in Ordnung gebracht werden. „Folgen wird noch der Abbruch des alten Gebäudes sowie die Grundsanierung der Turnhalle. Letzteres muss der Stadtrat noch genehmigen. Wir hoffen hier, dass wir diese Maßnahme durch das Förderprogramm Stark IV genehmigt bekommen“, so der Amtsleiter.

Rettung mit Ausnahmegenehmigung

Es war nicht immer klar, ob die 300 Jahre alte Geschichte der Schule in Mehringen fortgesetzt werden kann. „Die Schule war eigentlich schon tot. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger“, meint Steffen Schütze. Denn 2011 konnte die Grundschule, die vom Land vorgegebenen Schülerzahlen nicht mehr aufbringen. Mit einer Ausnahmegenehmigung rettete man sich. „Jetzt ist das anders. Wir haben dieses Jahr hier 22 Einschulungen und dann 62 Schüler. Diese Tendenz ist steigend“, sagt er. Das komme auch durch die Öffnung der Schulbezirke im Jahr 2008. In Mehringen lernen Mädchen und Jungen aus Mehringen, Drohndorf, Freckleben, Schackenthal und Schackstedt und auch aus Groß Schierstedt. „Die Schulen haben mit der Öffnung der Bezirke den Wettbewerb angenommen. Das hat sich positiv für diese Landschule ausgewirkt“, sagt Schütze.

„Wir sind froh, dass die Eltern zu uns gehalten haben. Das bestärkt uns und lässt uns Danke sagen“, sagt Silvia Wollmann mit Blick auf die Schülerzahlen, aber auch auf das Verständnis für die lange Bauzeit. Dem kann sich Ortschef Albrecht Schneidewind nur anschließen. „Unsere Schule soll ein Aushängeschild für Landschulen werden. Deshalb möchten wir der Schule auch einen Zusatznamen geben. Wir sind nicht nur die Grundschule Mehringen. Hier kommen Kinder auch aus der Umgebung her“, erklärt er. Deshalb werde man sich auf die Suche nach einem geeigneten Namen machen. Vorschläge sind willkommen! (mz)

Mitteldeutsche Zeitung vom 23.08.2015 von Marion Pocklitz

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