Letzte Kreisschau - Ende einer Epoche bei Kaninchenzüchtern

Letzte Kreisschau - Ende einer Epoche bei Kaninchenzüchtern

Drohndorf/Mehringen -Kaninchenzüchter Mehringen

Überall, wohin man schaut in der Schützenhalle von Mehringen tummeln sich wuschlige Kaninchen. Schecken, Helle Großsilber, Rex oder die gemütlich dreinschauenden Widder mit ihren herabhängenden Ohren. 130 Tiere sind es insgesamt, die nicht nur aus den zu Aschersleben gehörenden Vereinen Hoym, Schierstedt und Drohndorf - das ist der Organisator der Ausstellung - stammen, sondern auch aus den angrenzenden Landkreisen.

Welbsleben etwa, Siersleben und Gerbstedt, Mansfeld und Siebigerode. Aber, so schüttelt Gernot Ratsch bedauernd den Kopf: „Es wird die letzte Kreisschau in Aschersleben sein.“

„Unser Verein ist der größte - mit 15 Mitgliedern“

Dafür nennt der Drohndorfer Vereinschef gleich mehrere Gründe. Der wichtigste: „Es lohnt sich einfach nicht mehr.“ Im Altkreis Aschersleben gebe es kaum noch Kaninchenzuchtvereine und nur wenige Mitstreiter. „Unser Verein in Drohndorf ist der größte - mit 15 Mitgliedern.“

Als Ursache dafür macht er unter anderem die Chinakrankheit aus. Eine Seuche, die die Kaninchen befällt und schnell sterben lässt. „Sicher, man kann dagegen impfen.“ Doch so eine Ampulle reiche für 20 Tiere und müsse innerhalb von zwei Stunden verarbeitet sein. „Das heißt, wenn ein Züchter nur zwei Kaninchen hat, muss er trotzdem die volle Ampulle bezahlen - und das wird teuer.“

Impfung gegen die Chinaseuche kann teuer werden

Die Drohndorfer waren da clever. „Wir haben den ganzen Verein zusammengenommen, und uns mit den Tieren vors Vereinshaus gestellt und alle auf einmal impfen lassen - das waren 250 Kaninchen, das hat sich gelohnt“, sagt Ratsch.

Und so seien natürlich auch alle Tiere, die in der Ausstellungshalle sitzen, geimpft - zur Sicherheit, damit sich die Seuche nicht ausbreitet. Hier waren auch drei Preisrichter am Werk, schauten, ob die Blume geradesteht, die Ohren nicht hängen (bis auf die der Widder) und ob die Zähne perfekt sind.

Zwölf Tiere fassten dabei die Bestnoten ab. Kreismeister wurden Werner Klinkert, Heiko Eisbein und Karl-Heinz Reckmann. Uwe Krause hatte die beste Jungtiersammlung, Heiko Eisbein mit einem Farbenzwerg den besten Rammler und Jutta Kühne mit einer Holländerin die beste Häsin.

Drohndorf schließt sich 2019 Mansfeld-Südharz an

Dass die nicht in Drohndorf, sondern in Mehringen ausgestellt wurden, lag daran, dass die Züchter ihren Saal nicht nutzen durften. „Wo Menschen feiern, sollen keine Tiere gezeigt werden, war die Begründung“, sagt Ratsch.

Damit die Besucher die Schau trotzdem finden, hatte er gemeinsam mit einem Tischler Wegweiser angefertigt - mit einem Kaninchen obendrauf. Einer davon wurde leider in der Nacht schon gestohlen.

Den Rest können die Drohndorfer aber sicher weiter nutzen, denn im nächsten Jahr schließt sich der Verein den Mansfeld-Südharzern an. (mz)

von Regine Lotzmann, 26.11.2018

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