In der Kurve mit dem LO - Warum Horst Dießner mit Feuerwehrauto auf zwei Rädern fuhr

In der Kurve mit dem LO - Warum Horst Dießner mit Feuerwehrauto auf zwei Rädern fuhr

Mehringen - Horst Dießner

„Der Horst ist seit 1967 dabei und hat noch nie eine Auszeichnung bekommen“, wirft eine Feuerwehrkameradin unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ ein, als die Jahreshauptversammlung der Mehringer Wehr ihrem Ende entgegen geht.

 

Der Horst - das ist Horst Dießner. Dass sein 50-jähriges Feuerwehr-Mitgliedschafts-Jubiläum im vergangenen Jahr offenbar niemandem aufgefallen war, nimmt er nicht weiter krumm.

„Das kann passieren - keine große Sache“. Der Horst ist wohl einer, der sich selbst nicht als Mittelpunkt der Welt betrachtet.

Von der Betriebsfeuerwehr des Walzwerkes Hettstedt gekommen

Erinnern kann er sich allerdings noch ganz genau, wie er zur freiwilligen Feuerwehr gekommen ist. Wohlgemerkt zur Mehringer.

Denn Feuerwehrmann war er damals schon - im Juni 67, als er einfach mal bei einer Übung in den Westerbergen zuschaute und mit dem damaligen Gruppenführer der Mehringer Wehr, Achim Milius, ins Gespräch kam.

Bis dahin gehörte Horst Dießner nämlich der Betriebsfeuerwehr des Walzwerkes Hettstedt an. „Als Unterstützung der im Werk ebenfalls stationierten Berufsfeuerwehr“, erklärt der aus dem Mansfeldischen stammende Dießner, der im Walzwerk gelernt und als Schlosser gearbeitet hatte.

Und nach Mehringen habe es ihn damals der Liebe wegen gezogen - und weil er schließlich hierher geheiratet hatte.

Ausbildung und Führerschein schon in der Tasche

Die Ausbildung zum Feuerwehrmaschinisten hatte er damals schon in der Tasche. Und den Lkw-Führerschein auch. Was lag da für den Mehringer Milius eigentlich näher, als den Horst einfach abzuwerben. „

Da kannst du auch bei uns mitmachen, hat er gesagt“, erinnert sich der heute 74-jährige Horst Dießner. Und die Sache war somit geritzt.

Die Geschichte von damals schon oft erzählt

Übrigens gab es seinerzeit noch einen weiteren Neuling bei der Freiwilligen Feuerwehr Mehringen. Einen nagelneuen Robur-LO-Einsatzwagen, der nur wenige Wochen vor Horst bei den Mehringern in Dienst gestellt worden war.

Und dann erzählt er die Episode, die ihn auf besondere Weise mit dem LO verband und die jeder seiner Kameraden wohl schon mehr als einmal gehört hat:

Es war, als die Mehringer zu einem Einsatz nach Aschersleben gerufen wurden. Horst Dießner saß am Steuer des LO, als er in der Hitze des Gefechts die Kurve an der Kreuzung Mehringer Straße/Steinbrücke unterschätzte und sein Fahrzeug etwas zu schnell um die Ecke steuerte.

Die beiden legten jedenfalls einen unbeabsichtigten Stunt auf zwei Rädern hin. Mehr passiert ist aber nichts - zum Glück.

Übrigens, den LO gibt es bei der Mehringer Wehr noch heute. Allerdings sind sowohl das Auto als auch der Mann nicht mehr im aktiven Dienst.

Seniorentreffen müssen sein

Der ehemalige Trompeter der ebenfalls ehemaligen Feuerwehrkapelle Mehringen, Horst Dießner, ist längst einer von fünf Mitgliedern der Altersabteilung.

Die Treffen der Feuerwehr-Senioren, bei denen ausgiebig gefachsimpelt und in Erinnerungen gekramt wird, will er jedenfalls nicht missen.

Der heutige Rentner arbeitete - nachdem er im Walzwerk seinen Job an den Nagel gehängt hatte - später noch in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) und nach der Wende als Fahrer und Monteur bei der Firma Möbel-Heidicker.

Inzwischen frönt er seinen Hobbys - der Arbeit im Garten und der Haltung von „Karnickeln“. Letzteres allerdings nicht als Züchter im Verein, sondern viel mehr als Selbstversorger in Sachen Sonntagsbraten. (mz)

 

 

 

 

 

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