Heimatfest in Mehringen Orakel sagt Sieger voraus

Heimatfest in Mehringen Orakel sagt Sieger voraus

  • Warum die Feuerwehr beim Bustrekking ihren Titel verteidigen können, was vorher noch nicht gelang.

Mehringen -Heimatliches Schützenfest 2018 Mehringen

Die Muskeln angespannt, der Schweiß läuft, die Hitze steigt zu Kopf – und einer feuert an, bei diesen Bedingungen das Beste zu geben: Unter seinem bürgerlichen Namen kennt Karl-Heinz Wohlfeil nach eigenen Aussagen aber kaum jemand. Dafür jedoch unter seinem Spitznamen „Kalle“.

 

So betont kräftig er das auch äußert, erhebt der Senior seine Stimme, um die Mannschaft der Alten Herren anzufeuern, als es beim Mehringer Heimat- und Schützenfest darum geht, beim Bustrekking einen LO der Freiwilligen Feuerwehr zu ziehen haben. Auf 25 Meter.

Heimatfest in Mehringen: Unter härtesten Bedingungen geübt

Das Löschfahrzeug mit seinen knapp vier Tonnen ersetzt diesmal einen Bus. Hintergrund ist der fehlende Personenbus, der alle zwei Jahre die befreundete Schützengemeinschaft Mehringen-Emsbüren nach Mehringen in Sachsen-Anhalt transportiert.

Statt Bus nun also Löschfahrzeug. „Unter härtesten Bedingungen haben wir geübt“, meint Trainer Kalle und zählt auf: Statt auf 25 Meter sei über eine 30 Meter lange Strecke gezogen worden. Und das drei Mal. Mit einem schwereren Traktor.

Und schließlich mit einem kräftigen Neuzugang der Alten Herren-Fußballer, der auf den Namen Normen Herdt hört. Gute Voraussetzungen, oder?

Heimatfest in Mehringen: Eine Zehntel-Sekunde reicht

„Für Platz 2“, ist sich der achtjährige Louis Rösler sicher und prophezeit schon vorher, wie es am Ende kommt. Beim Siegertippspiel erweist er sich als wissendes Orakel. Die Drohndorfer Feuerwehrkräfte werden gewinnen.

Das tun sie auch. Mit einer Zehntel-Sekunde Unterschied zum zweiten Platz. Insgesamt 12,695 Sekunden benötigt das Quintett, um den LO in Bewegung zu setzen und über die Ziellinie zu bringen.

„So fix ist der LO noch nie gelaufen“, übertreibt Moderator Ulrich Fügner zur Motivation. Die zahlreichen Zaungäste drängen an das Absperrband. Sie jubeln, pfeifen, klatschen.

Eine Hochstimmung, als wäre das Ziehen eine olympische Sportart und die olympische Fackel wurde zu diesem Zweck in Mehringen entzündet.

Heimatfest in Mehringen: Anders gezogen

Wer genau hinschaut, sieht: Die Drohndorfer - sie waren im Übrigen die Ersten, die ihren Titel verteidigen konnten - ziehen anders.

„Einer zieht nach vorn, die anderen stehen zum Fahrzeug und lassen sich mit ihrem Gewicht nach vorn fallen“, plaudert Martin Espenhahn aus dem Nähkästchen.

Heimatfest in Mehringen: Kinder ziehen am LO

Die Organisatoren, der Kultur- und Heimat- sowie der Schützenverein, haben ein wachsames Auge auf die vier Mannschaften.

„Die Dopingkontrollen schlagen erst über 0,4 Promille an“, lacht Fügner. Er stellt auch die Preisfrage: Wie viele Kinder schaffen es, den LO zu ziehen? Antwort: 14. Der zehnjährige Aschersleber Louis ist einer davon. „Mir tun die Hände noch weh“, empfindet er kurz danach, ist aber glücklich.

Kurzweil herrscht auf der Festinsel schier überall. Schausteller hier, Trampoline dort, dazu Unterhaltung. Ein gut organisiertes Fest, würdigt Besucherin Bianca Tonn-Rösler. „Gott sei Dank wird die Tradition noch so wahrgenommen“, erzählt sie.

Heimatfest in Mehringen: Auch noch andere Macher

Zu den Machern des Festes gehören neben Ulrich Fügner auch Annika Fügner-Meier vom Kultur- und Heimatverein. Ihr Verein zählt gerade einmal zehn Leute.

Vielleicht ist es aber gerade diese Tatsache, die die dreitägige Veranstaltung auf der Festinsel zum Erfolg werden lässt. Hier gebe es nicht nur Sprücheklopfer. Dafür aber zehn Leute und einen roten Faden.

Jedes Jahr gebe es etwas Neues. In diesem Jahr war es der als Sternmarsch ausgerichtete Zieleinlauf zum Kriegerdenkmal.

Mit den Majestäten - den Kinderkönigen im Schützensport, Adlerkönigin Leni Müller, und Kegeln, Lou Geder - der Schützengesellschaft, Mitwirkenden, Zaungästen.

Heimatfest in Mehringen: Tradition ist viel wert

Stemm- und finanzierbar sei das Ganze nur, weil sich der Ort laut Fügner-Meier zu seiner Tradition bekennt. „Sonntags ist der Haupttag und da ist fast jeder Mehringer auf den Beinen“, resümiert sie.

Auf diese Traditionen wird viel Wert gelegt. Zum Beispiel in Form eines geschnitzten Adlers, auf dessen Flügel die amtierenden Schützenkönige eingraviert und so verewigt werden.

In diesem Jahr sind es Dirk Winkler und Helga Jeschke. Robert Gille ist darüber hinaus Mehringer Kegelkönig, Adlerkönig Sven Heiling. (mz)

von Sandra Schwarz, 03.07.2018

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