Grabungen bei Mehringen: Und es gab doch eine mittelalterliche Burg

Grabungen bei Mehringen: Und es gab doch eine mittelalterliche Burg

Andreas SiegelAndreas Siegl leitet die Grabungen bei Mehringen. Foto: Gehrmann

Zwischen Aschersleben und Mehringen hat es eine Burg gegeben. Das haben Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalspflege und Archäologie Sachsen-Anhalts bestätigt. Vieles spricht dafür, dass es sich um die Überreste der Burg Bünau - eine sogenannte Turmhügelburg oder auch Motte - handelt.

 

 

In einer Urkundensammlung wurde der Verkauf an das Kloster Mehringen im Jahr 1382 vermerkt. Doch im Lauf der Jahrhunderte verschwand sie nicht nur vom Erdboden, sondern größtenteils auch aus den Erinnerungen. Es wurde sogar daran gezweifelt, dass sie je existiert hat. Dass sie nun wieder in den Fokus geriet, ist einigen Heimatforschern und dem Landwirt Klaus Kilian zu verdanken. Er hatte im Vorjahr mit einer Drohne die Konturen der Burg dokumentiert. Jetzt sind die Bodendenkmalpfleger dabei, mit Ausgrabungen der Burg ihre Geheimnisse zu entlocken. Eine Besonderheit in diesem Fall ist, dass schon kurz unter der Oberfläche, teilweise waren kaum 20 Zentimeter abgetragen, erste verwertbare Anzeichen sichtbar wurden. „Anhand der Luftaufnahmen kann man schon bestimmte Dinge erkennen. Das hängt mit der Struktur des Bodens zusammen“, erklärt Grabungsleiter Andreas Siegl. So sieht man anhand des Wuchses von Pflanzen, wie dick die Erdschicht zum Beispiel über Mauerresten ist. Nach der Auswertung wurde ein etwa drei Meter breiter und rund 40 Meter langer sogenannter Suchschnitt über der Anlage angelegt. Hier wurden dann Details sichtbar. Es konnte das Zentrum der Burg lokalisiert werden. Siegl geht von einer Größe von etwa 40 mal 40 Meter aus. Damit ist sie größer als viele andere Turmhügelburgen. Und noch etwas unterscheidet sie: Der Turm (etwa sechs mal sechs Meter) ist aus Stein und nicht aus Holz. Sichtbar wurde auch der Wall und Häuser, die älter sind als die Burganlage an sich und sich außerhalb dieser befinden. Dazu gehört auch ein Grubenhaus. Davon zeugen Steine und Lehmreste. Grubenhaus deshalb, weil es zum Teil in die Erde eingelassen war. Es ist auch größer als andere derartige Häuser. Auch das Umfeld der Burg wurde archäologisch untersucht. So belegen Funde eine Besiedelung schon in der Eisenzeit (etwa 500 v. Chr.). Auch zur römischen Kaiserzeit (1. und 2. Jahrhundert) lebten hier offenbar Menschen. Andreas Siegl vermutet zudem, dass der Wipperverlauf zu der Zeit, als die Burg existierte und auch davor, ein

anderer als heute gewesen sein dürfte. Mit den Bodenuntersuchungen wurde im Herbst des vergangenen Jahres begonnen. Nach einer Pause in der kalten Jahreszeit wurden die Arbeiten jetzt wieder aufgenommen - vorerst bis zum Mai des Jahres. Ob und wie es dann weitergeht, hängt von den Ergebnissen der Ausgrabungen ab. Auf jeden Fall werden sie umfangreich und detailgenau dokumentiert. Eine komplette Freilegung der Burg ist allerdings nicht geplant. (mz)

Von Thorsten Köhler, 27.10.17, 11:04 Uhr

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