Fondanttorten aus Mehringen - Anni Cake's überzeugt mit Können und Kreativität

Fondanttorten aus Mehringen - Anni Cake's überzeugt mit Können und Kreativität

Annika Fügner-MeierFoto: Gehrmann

Mehringen -

120 Torten hat Annika Fügner-Meier in den vergangenen 21 Monaten gebacken und verziert. Das sind knapp sechs Torten pro Monat. Dabei ist die Mehringerin weder Bäckerin noch Konditorin - sondern arbeitet hauptberuflich als Bürokauffrau. Die Leidenschaft fürs Backen verdankt sie einzig und allein ihrer Schwester und einer Hochzeit.



Erste Torte zur Hochzeit der Schwester

Aber von Anfang an: Bis 2014 hat die 39-Jährige aus Mehringen zwar gern gebacken, zum Glück hatte sie dafür schon immer ein gewisses Talent, aber eher unregelmäßig, schon fast selten. Die ersten annähernd professionellen Backversuche wagt die 39-Jährige, als sie ihrer Schwester ein besonderes Geschenk machen möchte. Diese wünschte sich zu ihrer Hochzeit nämlich nicht weniger als eine selbst gebackene Torte - mit Schnörkeln, Herzen und Fondant. Ein Vierteljahr, unzählige Backanleitungen - online wie offline - und vier Probetorten später war es vollbracht: Für ihre erste Fondanttorte erhält Annika Fügner-Meier allerhand lobende Worte und beschließt bald, ihrem Hobby mehr Zeit zu widmen.

Mittlerweile beschreibt „Hobby“ nicht einmal mehr annähernd, wie viel Zeit und Leidenschaft die Mehringerin in die Herstellung ihrer verschiedenen Süßwaren investiert. Die Hochzeits-Fondanttorte ihrer Schwester sorgte schnell für erste Aufträge - Torten für Geburtstage, Einschulungen, Abschlussfeiern - sogar eine Torte zur Feier des Ruhestands des örtlichen Pfarrers. Die Bestellungen wurden ausgefallener, kamen häufiger. Zwar nicht täglich, aber doch wöchentlich und natürlich zu Stoßzeiten wie Einschulungen oder Jugendweihen. Allein im Sommer 2015 backt sie sieben Torten nach Vorbild realer Schultüten. Schließlich beschließt die Mutter sich danach zu erkundigen, wie sie ihre Freizeitbeschäftigung offiziell machen könne.

Meisterzwang ist ein Problem

Bei ihren Recherchen stößt sie auf ein gravierendes Problem: den Meisterzwang. Möchte man in Deutschland eine Konditorei beziehungsweise Bäckerei eröffnen, sind ein Meisterbrief oder eine Ausübungsberechtigung sowie die Eintragung in die Handwerksrolle Voraussetzung dafür. Denn das Backen und Verkaufen von Torten, Pralinen und vielen anderen süßen Desserts gehört zum Konditorenhandwerk. „Als ich davon las, bekam ich erst einmal wirklich Angst.“ Im Gespräch mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Magdeburg folgt jedoch schnell Entwarnung: Mit einer Ausnahmeregelung kann die 39-Jährige ihre Torten als Nebenerwerb vertreiben. Und genau das tut sie seither.

Sechs Stunden backt und verziert sie im Schnitt, bevor ihre Torten fertig und verzehrbereit sind. Dabei bleibt kein Kundenwunsch unerfüllt: Ob heller oder dunkler Boden, gefüllt oder nicht - Annika Meier-Fügner macht es möglich. Dabei entstehen auch mal recht ungewöhnliche Kombination, wie Waldmeistertorten mit Schokofüllung. Aber genau das mache ihre Arbeit so spannend - die „immer neuen Rezepte und Themen.“ Neben Cupcakes, Macarons und Cake Pops bleiben Fondanttorten aber auch weiterhin ihre Spezialität.

Kraft und Wärme

Dabei braucht es eine ordentliche Portion Kraft und Wärme, um den Fondant - den man am ehesten mit Knete vergleichen könnte - zu verarbeiten. Zunächst verteilt Annika Fügner-Meier einen Hauch Speisestärke auf der Küchenablage, so dass die pastöse Zuckermasse beim Ausrollen nicht am Tresen kleben bleibt. Dann gilt es den Fondant möglichst dünn auszuwalzen. Ähnlich wie beim Plätzchenbacken, nur dass hierfür ein Ausrollstab mit bis zu 50 Zentimetern Länge benutzt wird. Nach zirka 15 bis 20 Minuten hat die Masse die gewünschte Dicke erreicht, wird über die Torte gelegt, angedrückt und angerieben - nur so verbindet sich die Masse nahtlos mit der Ganache der Torte, einer aus Schokolade und Sahne bestehenden Unterlage. Danach beginnt die Dekoration, wobei „die Detailarbeiten meist am längsten aufhalten.“ Mit Fantasie und Geschick macht sich die kreative Mehringerin ans Werk und verpasst ihren Torten den finalen Schliff. An manchen Wochenenden entstehen so zwei bis drei Kuchen. „Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre das nicht möglich“, resümiert sie.

Mittlerweile hat sie auch die sozialen Medien für sich entdeckt, ist auf Pinterest (Annika Fügner-Meier), Instagram (anni_cakes) und Facebook (AnniCake's) vertreten. Dort postet sie regelmäßig Fotos ihrer neusten Kreationen und kann sich über eine ständig wachsende Anzahl an Fans freuen. Das Ganze hat natürlich auch den positiven Nebeneffekt, dass sie immer neue Aufträge an Land ziehen kann. Manchmal auch sehr kurzfristig, wie im Fall zweier Bekannter, die in einem spätabendlichen Anruf um Hilfe baten. Beide hatten sich erstmalig an einer Fondanttorte probiert und waren kläglich gescheitert. Zu ihrem Glück ließ sich Annika Fügner-Meier nicht lang bitten und eilte zu Hilfe.
Kuchenrettung

Nach drei Stunden Arbeit, die von zwei staunenden Gesichtern genauestens verfolgt wurde, war der Kuchen gerettet. „Das passiert, wenn man denkt, man könne eine Fondanttorte ganz einfach mal so nebenbei backen“, erzählt die 39-Jährige lachend. Ob sie ihre Nebentätigkeit irgendwann zum Hauptberuf machen möchte, weißt die talentierte Mehringerin bislang noch nicht. Im Mai feiert sie erst einmal ihr zweijähriges Jubiläum - natürlich mit einer Torte und ihrer Familie. (mz)

MZ von Elisabeth Krafft 26.02.16

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