Feldflur am Westerberg: Jede Menge Burg-Geheimnisse

Feldflur am Westerberg: Jede Menge Burg-Geheimnisse

Andreas SiegelGrabungsleiter Andreas Siegel beim Vermessen des Areals. Foto: Frank Gehrmann (2)


Archäologen um Andreas Siegl erforschen die ehemalige Anlage bei Mehringen weiter. Wie weit reicht die Besiedlung des Areals zurück?
Der aufmerksame Beobachter wird festgestellt haben, dass in der nordwestlichen Mehringer Feldflur am Westerberg, welche als die „Bünau“ bekannt ist, erneut gegraben wird. Die eingeweihten Bewohner des Wipperortes wissen, dass sich die Flurbezeichnung von der Burg Bünau ableitet, die hier im Mittelalter gestanden hat. Diese hat nun erneut Aktivitäten der Archäologen des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt ausgelöst.


Nachdem 2015 und 2016 bereits unter anderem Gräben, Wälle und vor allen Dingen die Fundamente des Burgturmes der Turmhügelburg (Motte) Bünau frei gelegt und untersucht wurden, gilt es nun, die Geschichte der Burg und ihres Umfeldes weiter zu erforschen. Der Reiz der Grabung besteht vor allem in dem Umstand, dass diese Niederburg seit Jahrhunderten nicht überbaut wurde und so im Boden trotz der landwirtschaftlichen Nutzung weitere einmalige Befunde zu erwarten sind.

Die Burg erhielt ihren Namen der Ritter von Bünau. Günter von Bünau und seine beiden Söhne hatten die Burg 1382 an das Kloster Mehringen verkauft, wonach sich ihre Spuren bisher nur schwer nachvollziehen lassen. Aber allein die Tatsache, dass die Nachfahren Friederike und Rudolf L. von Bünau die Orte Mehringen und Aschersleben nach der Wiederentdeckung der Burg wiederholt besucht haben, macht die Angelegenheit so authentisch.


Vermutlich ist die Burg im Bauernkrieg 1524/25 zusammen mit dem Kloster Mehringen beschädigt oder zerstört worden. Danach wurde in historischen Aufzeichnungen nur noch von den Resten der Burg berichtet, bis auch diese vor etwa 100 Jahren von der Bildfläche verschwunden waren. Dass der jetzige Eigentümer wie auch der Pächter des Flurstückes „Bünau“ sehr kooperativ sind und sogar bei den Grabungen Hilfe und Unterstützung leisten, ist für die Ausgrabungen sehr förderlich. Außerdem liegen bereits Pläne vor, in geeigneter Weise den Standort der Burg für die Passanten des Wipperradweges in Erinnerung zu rufen.

Ein kleines Team an der Seite des Grabungsleiters Andreas Siegl wird in den nächsten Wochen vor allem solche Fragen in Angriff nehmen wie: Können weitere Funde die Hypothese belegen, dass die Besiedlung des Areals bis ins 7. Jahrhundert zurück verfolgbar ist? Sind weitere Indizien aufzufinden, welche die Entstehung einer befestigten Anlage in das 10. Jahrhundert zurück verfolgen lassen? „Schriftliche Quellen reichen nur bis ins 14. Jahrhundert zurück“, sagt Siegel. Dass es mehrere Gräben um die Burg gab, ist aus den letzten Grabungen schon bekannt. „Wir wollen nun wissen, wie die Anlage aussah, wenn sie noch älter ist als wir bisher angenommen haben.“ Mit ersten Ergebnissen rechnen Andreas Siegel und seine Kollegen in etwa zwei bis drei Wochen. (mz)

Von Kurt Großkreutz, 22.09.17, 13:55 Uhr

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