Erntedankfest in Mehringen - Carla darf weiter schnattern

Erntedankfest in Mehringen - Carla darf weiter schnattern

Umzug zum 20. ErntedankfestGute Stimmung verbreiteten alle Mitwirkende des Umzuges.
(BILD: Frank Gehrmann)

Der Zug durch Mehringen anlässlich des 20. Erntedankfestes wollte beinahe kein Ende nehmen. Warum eine Wettbewerbs-Siegerfahne am Mähdrescher weht.



Dieses Jahr hatten sich die Mehringer Landfrauen mit der Erntekrone besondere Mühe gegeben: Sie sollte etwas größer als in den vergangenen Jahren ausfallen und natürlich besonders attraktiv aussehen. Am Wochenende feierten die Einwohner des Ortes mit ihren Gästen das 20. Erntedankfest und der erste getreidebeladene Wagen mit der Erntekrone führte traditionell den Umzug an. Zehn- bis zwanzigtausend Ähren hatte Annett Winkler mit fleißiger Unterstützung ihrer Frauen zum Erntekranz gebunden und wirkte recht zufrieden mit ihrem Werk. „Wir waren kürzlich auf dem Erntedankfest in Magdeburg und haben gesehen, dass unsere eigene durchaus mit den dort ausgestellten Erntekronen mithalten kann“, sagte sie nicht ohne Stolz.

Dankbarkeit für eine reichliche Ernte zu zeigen und das mit einer Feier zu verbinden hat lange Tradition in den Dörfern. „Jeder Bauer hat früher eine Erntekrone gemacht und gefeiert, obwohl es einst eher eine kirchliche Angelegenheit war“, erinnerte sich auch Landwirt Richard Winkler. Er ist einer der Aktiven, die schon seit Jahren immer mit von der Partie sind. Fast war er nicht zu verstehen auf seinem knatternden Lanz-Bulldog und dem Krach, den die Dreschmaschine daneben machte. Mit Hilfe eines Transmissionsriemens hatte er beide Maschinen verbunden und konnte so den interessierten Zuschauern demonstrieren, wie vor Jahrzehnten gedroschen wurde.

Später gab es dann schon die ersten Mähdrescher und auch aus dieser Zeit stand ein „ Fortschritt“ auf dem Gelände zur Anschauung. „Da habe ich die letzte Siegerfahne, die wir 1990 vom Rat des Kreises bekommen und damals behalten haben, angesteckt“, gestand der Landwirt mit einem verschmitzten Lächeln. Dieses Jahr war besonders viel alte Landtechnik, Traktoren aller Altersklassen und Bautypen und eine Reihe von Pferdegespannen am Umzug beteiligt und später auf dem Festgelände zu sehen. Voriges Jahr sollen einhundert Gespanne beteiligt gewesen sein, dieses Jahr war es nach Schätzungen der Veranstalter etwa ein Drittel mehr.

Die Umzugsschlange durch das Dorf wollte kein Ende nehmen und der Platz auf dem Festgelände war rappelvoll bestellt. Nicht nur Mehringer waren beteiligt, sondern viele Gäste hatten ebenfalls Pferdegespanne oder Maschinen mitgebracht. So wie beispielsweise Andrea Kuhne-Hätsch aus Güsten, die ihr Friesengespann Carlos und Cäsar vor eine wunderschöne Kutsche gespannt hatte und so die Gildefee Jenny Siegesmund kutschierte.

Sindy und Hendrik Buchmann sind auch seit Jahren dabei und hatten sich etwas Spezielles einfallen lassen. Hinter ihrem historischen Traktor zogen sie auf dem Hänger in einem Käfig die Laufenten Max und Moritz, die graue Gans Carla und eine weiße Gans durch das Dorf. „Tiere mit Namen werden bei uns nicht geschlachtet, und mit ihnen leisten wir doch auch einen Beitrag zur Demonstration des dörflichen Lebens“, begründeten die Mehringer ihren witzigen Einfall. Das hatte nichts zu tun mit den Kaninchen und Hühnern, die der Kaninchenzuchtverein Drohndorf und der Geflügelzuchtverein Mehringen in einer Kleintierschau ausstellten. Hier gab es einige ausgewählte Exemplare von Zuchttieren zu bewundern und auch zu kaufen.

Und es war selbstverständlich, dass sich auch die Kinder zum Erntedankfest wohl fühlen und die Tradition kennen lernen sollten. Neben Hüpfburg und allerlei Beschäftigungen war für die Jüngsten die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen angesagt. Die findigen Organisatoren hatten eine Reihe von Strohhalmen in einem Heuhaufen versteckt und je mehr davon gefunden wurden, umso mehr Preise gab es.

Langeweile hatte wohl keiner der zahlreichen Besucher. Viele Verkaufsstände, reichlich Verpflegungsmöglichkeiten, Demonstrationen des Handwerks auf dem Bauernmarkt und ein außerordentlich abwechslungsreiches Programm schon am Sonnabend sorgten dafür, dass die Besucherzahlen alle Erwartungen der Organisatoren überstiegen. (mz)

Mitteldeutsche Zeitung von Marie-Luise Graichen, 05.10.2015 16:09 Uhr

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