Die Historikerin - Einfach nur dem Aufruf gefolgt

Die Historikerin - Einfach nur dem Aufruf gefolgt

  • Verena Milius war schon bei der Feuerwehr, als Frauen im Normalfall noch keine Brände löschten.
  • Zu DDR-Zeiten war sie ein Aushängeschild.

Verena Milius

 

Mehringen -

Einmal im Jahr treffen sich im Salzlandkreis die älteren Feuerwehrkameraden. Am Donnerstag ist es in Barby wieder so weit und Verena Milius freut sich auf das Wiedersehen mit vielen Weggefährten. Als sie zur Feuerwehr kam, war es nicht alltäglich, dass Frauen Brände löschen.

Wenn sie an einen Besuch bei Verwandten in der damaligen BRD denkt - zum Sterben ihrer Oma dufte sie über die innerdeutsche Grenze - dann kann sich sich noch gut an die erstaunten Gesichter ihrer Westverwandten erinnern, als sie berichtete, dass sie bei der Feuerwehr ist.

Die Historikerin: 1965 in die Feuerwehr eingetreten

Verena Milius schwärmt aber auch von ihrem 75. Geburtstag im Juni, über die Glückwünsche vieler Feuerwehrkameraden. Sie ist weiter Mitglied der großen Feuerwehrfamilie.

Aber sie arbeitet auch noch in der Historiker-Gruppe des Landesfeuerwehrverbandes mit und verfasste einige Artikel.

1965 war sie in die Mehringer Feuerwehr eingetreten. Da die Männer viel auf dem Acker waren und dort die Sirene nicht hören konnten, sollten die Männer ihre Frauen fragen, ob sie nicht mitmachen wollten.

Die Historikerin: Dem Aufruf der Frauen gefolgt

Da ihr Mann bereits bei der Feuerwehr war, folgte Verena Milius mit anderen Frauen dem Aufruf.

Und sie kümmerte sich nicht nur um die Brandschutzschauen in den Mehringer Wohnungen, sondern absolvierte einen Maschinisten- und Gruppenführerlehrgang, um selbst bei Einsätzen helfen zu können.

Die Historikerin: Wehren koordiniert

Um 1972 wurde die Sparkassenmitarbeiterin erste „Wirkungsbereichsleiterin“ der DDR.

Dabei kümmerte sie sich um die Koordination der Wehren in Mehringen, Giersleben, Schackenthal und Strummendorf, um Einsatzpläne in Schwerpunktobjekten.

Sogar den damaligen Medien war sie Berichte wert, erinnert sie sich und zeigt die Ausschnitte wie aus der damaligen Wochenzeitschrift „Für dich“.

Die Historikerin: Ein Aushängeschild zu DDR-Zeiten

Die attraktive Feuerwehrfrau war wie ein Aushängeschild. Sie sei es nicht gern gewesen, doch Spaß habe es schon gemacht, sagt sie. 1974 wurde sie als einzige Vertreterin der freiwilligen Feuerwehren der DDR zu einem internationalen Treffen nach Prag delegiert, wo über die Aufgaben der Feuerwehr-Frauen nachgedacht wurde.

„Das schönste war, dass man bei Einsätzen helfen konnte. Und der Zusammenhalt.“

Die Historikerin: Hänger per Hand gezogen

Sie organisierte Lehrgänge, bettelte beim Bürgermeister um Geld für die Versorgung bei Veranstaltungen und war bei Einsätzen draußen.

Anfangs gab es in Mehringen nur einen Hänger mit der Brandschutzausrüstung, der dann von einem Fahrzeug der LPG zu den Bränden gezogen werden musste.

Verena Milius war auch dabei, als der Hänger per Hand von den Kameraden zum Einsatz in die Drohndorfer Straße gezogen und geschoben werden musste. Meist hätte sie dann unterwegs noch jemand angekuppelt.

Die Historikerin: Einsätze an der Todeskreuzung

Zu den schönsten Erlebnisse zählt sie einen Vortrag in der Schule, nachdem einige Schüler zur Feuerwehr kamen und bis heute Mitglied sind.

Schwer seien Einsätze an der „Todeskreuzung“ oder einige Wohnungsbrände, wie einem zu Heiligabend, bei dem ein junger Mann noch gerettet werden konnte, gewesen. Da es keine Hydranten gab, musste das Löschwasser mit Pumpen aus der Wipper geholt werden, erzählt sie.

Die Historikerin: Abends werden die E-Mails gecheckt

Bis 2004 arbeitete sie noch im Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes. Ein trauriger Moment war der Tag, als ihr bei einem Alarm mit 63 Jahren klar wurde, dass sie nicht mehr helfen darf.

Ihr Mann, den sie 1963 geheiratet hatte und mit dem sie nach Mehringen zog, ist nach langer Krankheit leider schon gestorben. Verena Milius kümmert sich nun um ihre Katze und viele Vögel sowie den großen Hof und Garten.

Und abends checkt die Oberbrandinspektorin a.A., die 1945 in einem Keller im ausgebombten Halle zur Welt kam, ihre E-Mails.

Ein Kamerad, den sie einst zur Feuerwehr holte, hilft bei Problemen.

Die Historikerin: Die Feuerwehr lässt sie nicht mehr los

Die Feuerwehr lässt sie aber nicht ganz los. Als ihr Nachbar, der heutige Jugendwart, mit seiner Gruppe jüngst zu einem Wettkampf nach Bernburg fuhr, reiste sie mit ihrem Auto hinterher.

„Wenn die Kinder einen Wettkampf machen, das ist herrlich.“ Und wenn am Sonnabend in Aschersleben auf der Herrenbreite die Ascherslebener Ortsfeuerwehr ihren 150. Geburtstag feiert, dann will sie auch mal vorbeischauen. (mz)

von Detlef Anders, 19.09.2018

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