Burg Bünau - Graben nach Geheimnissen

Burg Bünau - Graben nach Geheimnissen

Burg Bünau Grabungen

In dieser Woche endet die archäologische Forschungsgrabung auf der Feldflur am Westerberg, wo einst die Burg Bünau stand. Foto: Lucia Grün (4)

Zwei Monate haben Forscher vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die Feldflur am Westerberg in Mehringen erforscht, auf der sich im Mittelalter die Burg Bünau befand. Schicht für Schicht legten sie frei, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wann die ersten Menschen auf dem heutigen Acker lebten.


In dieser Woche allerdings endet zumindest der praktische Teil der Ausgrabung. Die mühsam geschaffenen Gruben werden wieder verfüllt und das Feld an Landwirt Klaus Kilian übergeben. Wehmut über das Ende kommt bei Grabungsleiter Andreas Siegl jedoch nicht auf. „Wir sind dankbar, dass wir hier überhaupt so lange graben durften. Das ist nicht überall der Fall“, sagt der Archäologe, auf den nun ein Berg von Arbeit wartet. Denn tausende Funde, auf die die Forscher in Mehringen gestoßen sind, müssen ausgewertet werden.

„Wir haben hier Funde aus vielen Hunderten Jahren auf engstem Raum“, erklärt er. Über 90 Prozent davon seien Abfälle. Zum Teil falle es schwer zum Beispiel Keramik überhaupt als solche zu erkennen. Daneben haben die Wissenschaftler aber auch erstaunliche Stücke zu Tage gefördert - wie eine bronzene Fibel. Ein Importstück aus dem skandinavischen Raum, die auf Handelsbeziehungen schließen lasse, aber nicht in Verbindung mit der Burganlage stehe.

Denn die Forschungsgrabungen haben ergeben: Schon lange, bevor die Burg Bünau errichtet wurde, wurde die Fläche besiedelt. Laut Siegl belegen Siedlungsspuren im Boden, dass bereits 500 vor Christus Menschen dort gelebt haben. „Das

kann auch etwas früher gewesen sein“, so der Archäologe. Auch Spuren, die auf eine Besiedlung im 6./7. Jahrhundert hinweisen, konnten die Wissenschaftler sichern. Siegl hofft, dass sich zeitliche Lücken in der Besiedlung möglicherweise im Rahmen der nun anstehenden Auswertung füllen könnten.

Mit Gewissheit kann jedoch bereits gesagt werden, dass es sich bei der Burganlage um eine mehrphasige Burg handelt. Im Boden stießen die Forscher auf einen Burggraben, der mit seinen 18 Metern laut Siegl ungewöhnlich breit ist. Untersuchungen zeigten, dass der ursprüngliche Graben, der den Burghügel umgab, im Laufe der Zeit durch einen äußeren Graben abgelöst und die Anlage demnach erweitert wurde.

Daneben entdeckten die Wissenschaftler durch geomagnetische und geoelektrische Untersuchungen des Feldes Umrisse von zahlreichen Gebäuden. Darunter ein zirka acht mal zehn Meter großes Gebäude aus dem Hoch- oder Spätmittelalter, aber auch viele kleinere, in den Boden eingetiefte Häuser, die sich zum Teil noch unter der mittelalterlichen Anlage befinden. Diese sogenannten Grubenhäuser - die bereits zur Eisenzeit genutzt wurden - bestanden laut Siegl zumeist aus nur einem Raum und ragten einen Meter tief in den Boden. Auf diese Weise konnte beim Bau das damals rare Material gespart werden.

Gut erhalten sind darüber hinaus Reste der Burg Bünau. Diese wurde im 14. Jahrhundert an das Kloster Mehringen verkauft. „Der Hof muss dann relativ schnell abgetragen worden sein“, erklärt der Grabungsleiter. Denn bereits im 15. Jahrhundert sei in Urkunden vom Ertrag der Ackerflur Bünau die Rede. Ungewöhnlich ist jedoch: Statt das Baumaterial wiederzuverwenden, landeten die Steine im Burggraben. Im Boden stießen die Archäologen zudem auf Dachziegel und Fensterbeschläge, die aus Zeiten der Burganlage stammten. Laut Siegl ein Indiz dafür, dass Steinturm und Turmhügelburg nicht nur wehrhaft waren, sondern auch zu Wohn-und Repräsentationszwecken dienten. Auch Hinweise auf die Herstellung von Buntmetall konnten dokumentiert werden. Insgesamt eine hervorragende Fundstelle, bescheinigt Siegl, in deren Boden sich durchaus noch weitere Entdeckungen verbergen dürften. Denn bei der Forschungsgrabung blieb nur Zeit, um einen kleinen Teil des Geländes zu untersuchen. *********************************************** Bereits im Herbst 2015 haben erste Bodenuntersuchungen rund um die Burg Bünau begonnen. Anlass waren laut Grabungsleiter Andreas Siegel Luftaufnahmen, bei denen sogenannte Negativbewuchsmerkmale in Form gelblicher Verfärbungen auffielen. An Stellen des Feldes, an denen sich Steinfundamente im Boden befinden, wuchsen die Pflanzen vergleichsweise schlechter. Der Grund: Sie wurden schlechter mit Wasser versorgt, der Boden war trockener und das Getreide reifte schneller. Durch diese Strukturen lag die Vermutung nahe, dass sich noch Reste der Burg Bünau auf der Flur befinden. (mz)

Von Christiane Rasch, 27.10.17, 15:31 Uhr

Zurück zur Übersicht