Auf in den Westen Pfarrerehepaar verlässt Sandersleben

Auf in den Westen Pfarrerehepaar verlässt Sandersleben

Pfarrer Kipp und Frau

Das Pfarrerehepaar Dorothea und Mathias Kipp verlassen die Region. Für sie ist es Zeit für eine Veränderung.
Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben -

„Pfarrer sollten regelmäßig wechseln. Das tut dem Ort und dem Pfarrer gut.“ Diese Worte sagt Pfarrer Mathias Kipp nicht einfach so daher. Er wird sie, gemeinsam mit seiner Frau Dorothea, ebenfalls Pfarrerin von Beruf, auch in die Tat umsetzen. Nach dem Verabschiedungsgottesdienst wird der Umzugswagen vor der Tür stehen und die beiden samt Hausrat in einen Ortsteil des niedersächsischen Einbeck bringen. Ab 1. Februar werden beide für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Braunschweig arbeiten.



Seit 15 Jahren in Sandersleben

Knapp 15 Jahre haben sie in Sandersleben gelebt und sich um die Kirchen im Umland gekümmert. Mathias Kipp war für Sandersleben, Freckleben, Drohndorf und Mehringen zuständig, seine Frau für Schackental und Schackstedt. „Wir gehen mit einem weinenden Auge hier weg. Freuen uns aber gleichzeitig auf die neuen Aufgaben, die völlig anders sind“, sagt Mathias Kipp. Denn bisher haben sie für die Evangelische Landeskirche Anhalts gearbeitet und sich dort viele Netzwerke aufgebaut. Wäre es nach dem Ehepaar gegangen, wären sie auch in Anhalt geblieben. „Das war aber nicht möglich. Denn es ist schwierig, eine neue Stelle gleich für ein Ehepaar zu finden“, erzählen sie.

Das neue Angebot kam im September und beide hätten schnell gespürt, dass dieses wie „maßgeschneidert passt.“ „Wir haben das Glück, dass wir unterschiedliche Begabungen haben und deshalb sehr gut zusammenarbeiten können und uns ergänzen“, machen sie deutlich.

Ein großer Schritt

Für Dorothea Kipp ist es der erste große Schritt in Richtung „Westen“ und damit in die ursprüngliche Heimat ihres Mannes. Dieser ist aus Liebe vor Jahren in den Osten gekommen, nachdem er sich bei einer Weiterbildung in Detmold in seine Frau verliebt hatte. „Sie hat mir mächtig imponiert. Die Frau aus dem Osten, die den Wessis dort so richtig den Kopf gewaschen hat“, schmunzelt er.

Auch wenn sie dieses Wortspiel im Gespräch mögen, einen Unterschied zwischen „Wessi“ oder „Ossi“ gebe es in ihrem Leben sonst nicht. Beides wird nur auf die eigenen Vergangenheit bezogen. Denn sie ist im Osten aufgewachsen. „Mein Vater war Pfarrer. Und das Leben wurde für mich dadurch nicht einfacher“, blickt sie zurück. Vor allem in der „Penne“ habe sie damit Probleme gehabt. Später ist für die Pfarrerstochter noch nicht einmal eine Lehrstelle übrig geblieben. „Für mich gab es einfach keinen Plan. Die einzige Möglichkeit war, über die Kirche einen Weg zu finden“, sagt sie. So ist sie in das Diakonissenhaus nach Halberstadt gegangen und hat festgestellt, was Freiheit für einen Christen bedeute. Sie hat sich dann „hochgearbeitet“. Fachhochschule, C-Kantor mit Ausbildung zur Orgelspielerin und schließlich hat sie in Zerbst als Gemeindepädagogin arbeiten können. Mit einem Trabi, den sie als Dienstfahrzeug bekommen hat, ist sie zu ihren Orten gefahren.

„Ich habe viel mit Jugendlichen gearbeitet. Das ist mein Ding. Auch heute noch“, sagt sie. Fünf Jahre lang hat sie in einem Fernstudium Theologie studiert. „Das war eine harte Zeit und auch nur möglich, weil ich da noch keine Familie hatte“, sagt sie.

Während sie 1989 für die politische Wende in Dessau demonstriert hat, war ihr zukünftiger Mann in New York beschäftigt. „Da war ich Pastoralassistent. Wir haben deutsche Seefahrer betreut“, erzählt Mathias Kipp.
Der Traum vom Pfarrer

Er ist in Hildesheim aufgewachsen. „Und Pfarrer wollte ich schon immer werden. Allerdings nicht ohne vorher einen völlig anderen Beruf zu erlernen. Meinen Maurer habe ich bis zum Gesellenbrief absolviert. Aber dabei bleiben wollte ich nicht“, sagt er. Sofort nach dem Abschluss erfüllte er sich deshalb seinen Traum und begann zu studieren.

Mathias Kipp studierte in Tübingen, Marburg und London evangelische Theologie. Dann ging es nach New York. „Ich bin dort auch noch nach der Assistenzzeit geblieben und habe als Teilzeitvikar der Deutschen Auslandsgemeinde in Manhattan gearbeitet“, verrät er.

1990 kehrte er in seine Heimat zurück, um dort als Vikar zu arbeiten. Schließlich kam die schicksalhafte Begegnung mit seiner späteren Frau. „Ein Geschenk des lieben Gottes“, findet er, bevor er schmunzelnd hinzufügt: „Wir sind dann eine Ost-West-Beziehung eingegangen.“ Aus der übrigens auch zwei Kinder hervorgegangen sind. „Diese sind nun außer Haus, studieren bereits. Das hat uns die Entscheidung erleichtert, von hier wegzugehen“, erklären sie einmütig, bevor sie kurz noch einmal zurück blicken.

Verbaute Euros

„Ich habe in 14 Jahren 850.000 Euro verbaut“, sagt Mathias Kipp. Denn eines seiner Hauptaufgaben war, die Sanierung der Infrastruktur voran zu treiben. Davon profitiert haben neben der Sanderslebener Kirche auch die Mehringer und die Frecklebener Gotteshäuser. In der Drohndorfer Kirche wurde sogar ein Falkenauge installiert. „Das war ein ganz besonderes Projekt. Aber gerade so etwas habe ich geliebt“, gibt er gern zu.

Viel Energie hat er auch in Beziehungsarbeit gesteckt. „Die Kirche muss zu den Menschen kommen. Das habe ich immer schon so gemacht,“ erzählt der Pfarrer.

Seine Frau hat viel und gern mit Kindern und Jugendlichen zusammengearbeitet, die Gemeindebriefe erstellt, Plakate entworfen und war mit dabei, als die schwammverseuchte Schackstedter Kirche saniert wurde. Beide haben sich auch noch kommunalpolitisch im Stadtrat und Ortschaftsrat engagiert. „Jetzt ist es Zeit für Veränderungen. Und wir freuen uns drauf“, sind sich Mathias und Dorothea Kipp einig. (mz)


MZ von marion pocklitz 20.01.16

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