Archäologie Bünau im Forscher-Fokus

Archäologie Bünau im Forscher-Fokus

Grabungsarbeiten vor den Toren Mehringens.
Foto: Kurt Grosskreutz
Grabungsarbeiten Burg Bünau
Mehringen -

Über die Burg Bünau östlich von Aschersleben hatte sich seit 633 Jahren der Schleier der Vergänglichkeit gelegt. Sie schien für immer vom Erdboden verschluckt worden zu sein und man zweifelte sogar, ob sie tatsächlich je existiert hat.

Verkauf an Kloster Mehringen

Doch in der Urkundensammlung „Codex diplomaticus Anhaltinus“ wurde ihr Verkauf an das Kloster Mehringen im Jahre 1382 untrüglich dokumentiert. Zum Glück behielt das Ackerstück am Ortsrand von Mehringen den Namen „Bünau“ über die Jahrhunderte und so wurde mit dem alten Flurnamen die Erinnerung an die Burg konserviert und wach gehalten.



Erst in diesem Jahr rückte die Bünau in den Fokus interessierter Heimatforscher aus Aschersleben und Mehringen. Zuerst wurde die Burg in einem Vortrag des Askanischen Geschichtsvereines in Erinnerung gerufen, was dazu führte, dass das Unerwartete gelang.

Mit einer Drohne konnten die Konturen der Turmhügelburg (Motte) aus dem Hochmittelalter so gut fotografisch dokumentiert werden, dass sogar der Bereich Bodendenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Interesse an einer Grabung zeigte.

Ein Anstoß für weitere Untersuchungen war sicher auch der Besuch von Rudolf L. und Friederike von Bünau in Mehringen im Oktober dieses Jahres aus Anlass des Erntedankfestes. Beide repräsentieren das mittelalterliche Rittergeschlecht.

Wissenschaftliche Erforschung

Seit dem 27. Oktober kann man am westlichen Ortseingang von Mehringen unweit der Wipper feststellen, dass den ersten Messungen auf dem vermuteten Burggelände durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt weitere Taten folgen. Grabungsleiter Andreas Siegl aus Halle und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Gerhard Christ aus Aschersleben sind erfahren auf dem Gebiet der Archäologie und haben mit wissenschaftlicher Akribie die Erforschung der Mehringer Turmhügelburg in Angriff genommen. Die Verortung der Burg ist mit Hilfe der Luftaufnahmen und dank einer GPS-gestützten Vermessung erstaunlich präzise gelungen.

Inzwischen sind weitere Grabungshelfer eingetroffen. Eine komplette Freilegung der Burg ist jedoch nicht geplant, wie von den Archäologen vor Ort zu erfahren war. Es wurde ein drei Meter breiter und 50 Meter langer „Schnitt“ angelegt, um wesentliche Teile der Burg freizulegen. Dabei kamen nach dem Abtragen einer etwa 30 Zentimeter starken Humusschicht die Strukturen der Burg Bünau zum Vorschein.

Burg mit Turm und Wall

Im Weiteren soll eine systematische Erfassung der Denkmalsubstanz erfolgen und Rückschlüsse auf Entstehung, Nutzung und Niedergang der Burg gezogen werden.

Schon nach der ersten Befundaufnahme gibt es sichere Anzeichen dafür, dass Mehringen eine Turmhügelburg mit einem aus Naturstein gemauerten Turm, einem Wall und einem Graben besaß. Doch das Burggelände befindet sich in einem Areal, das über Jahrtausende als Siedlungsplatz genutzt wurde. So konnten erwartungsgemäß bereits erste Spuren zurück bis in die frühgeschichtliche Eisenzeit (800 bis 15 v. Chr.) gesichtet werden.

Im Dezember werden die Arbeiten auf der Bünau witterungsbedingt eingestellt, um im Frühjahr 2016 fortgesetzt zu werden. Auf die Ergebnisse der Forschungsarbeit sind sicher nicht nur die Mehringer gespannt. (mz)

MZ Von Kurt Grosskreutz 30.11.15

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